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Erweiterungen für Microsoft IAS

Microsoft bietet mit dem IAS als Bestandteil des Windows Server 2003 einen einfach bedienbaren und gut integrierten RADIUS-Server an, der sich ohne zusätzliche Lizenzkosten nutzen lässt. Damit stellt der IAS eine solide Grundlage für die Einführung von IEEE 802.1X zur Zugangskontrolle in Firmen-LAN und WLAN dar.

Doch hat man erst einmal eine funktionierende IEEE 802.1X Infrastruktur implementiert, kommen schnell weitere Wünsche hinzu. Zum einen ist es wünschenswert, dass Potential einer 802.1X-Umgebung voll auszuschöpfen, zum anderen ist aus Kostengründen die Wiederverwendung der RADIUS Server für andere Dienste sinnvoll.

Neben der gängigen Authentifizierung von im Active Directory erfassten Benutzern und Geräten sind hier vor allem folgende Szenarien interessant:

·          Integration von Geräten ohne 802.1X-Unterstützung

Viele Altgeräte – hauptsächlich Drucker – unterstützen keine 802.1X-Authentifizierung. Solange diese Geräte nicht fläckendeckende 802.1X-Unterstützung mitbringen, ist man auf eine Übergangslösung angewiesen. Natürlich könnte man die Drucker weiterhin an ungeschützten Netzwerkzugängen ohne Authentifizierung betreiben, aber dies unterläuft das ganze Sicherheitskonzept. Auch das mühselige Eintragen von MAC-Adressen für jeden LAN-Port, an dem ein Drucker hängt, ist fehlerträchtig und bei Umzügen mit viel Aufwand verbunden. Die eleganteste Lösung ist hier ohne Frage eine zentrale MAC-Authentifizierung am RADIUS-Server.

·          Anbindung weiterer Nutzer- und Geräte-Verzeichnisse

Häufig sind nicht alle Geräte oder Benutzer im Active Directory erfasst und gepflegt. Stattdessen wird oft auf SQL-Datenbanken oder LDAP-Verzeichnisse gesetzt. Dies betrifft vor allem mobile Geräte (Handheld-Scanner, PDAs), aber auch Drucker. Häufig wäre eine Integration oder eine Synchronisation mit dem Active Directory aufwändig und komplex. Einfachste Lösung: der IAS nutzt zusätzlich weitere Datenbanken oder Verzeichnisse zur Authentifizierung.

·          Nutzung zusätzlicher Authentifizierungsprotokolle

Die EAP-Standardprotokolle zur 802.1X-Authentifizierung, namentlich EAP-TLS und PEAP, unterstützt sowohl die Mehrzahl der Clients als auch der IAS selbst problemlos. Für das ein oder andere Endgerät trifft dies aber nicht zu, trotzdem müssen diese Endgeräte integriert werden können. Die Nutzung zusätzlicher Protokolle ist dann oft besser als auf die MAC-Authentifizierung zu setzen.

·          Authentifizierung und Autorisierung für andere Dienste

Den IAS lediglich als RADIUS-Server für die 802.1X-Authentifizierung zu nutzen, wäre ökonomisch eine Verschwendung. Besser, man nutzt ihn gleichzeitig auch für die Authentifizierung und Autorisierung anderer Dienste, wie z.B. VPN, VoIP und Web-Server. Natürlich bedarf es hierfür entsprechende Unterstützung für die notwendigen Protokolle und Verfahren. Ein schönes Beispiel ist der RFC4590 zur Digest-Authentifizierung von http-basierten Clients (VoIP-Clients, Webbrowser).

·          Zusätzliche Accounting/Logging-Mechanismen

Der IAS bringt bereits Möglichkeiten mit, um zwecks Accounting und Analyse in Textdateien und SQL-Datenbanken zu loggen. Es handelt sich allerdings um blockierende Mechanismen, d.h. bei Nichterreichbarkeit des SQL-Servers oder eines Verzeichnisses (weil z.B. auf Windows Remote-Share) kommt die Authentifizierung zum Erliegen. Für richtige Provider ist das natürlich ein schönes Features: wenn keine Abrechnungsdaten geschrieben können, bekommt der Nutzer keinen Zugang. Für die Mehrzahl der Unternehmen ist dieses Verhalten aber kontraproduktiv. Nicht-blockierende Mechanismen sind hier wünschenswert. Und wer gar keine SQL Datenbanken betreiben möchte, weil er bereits auf zentrales Logging mittels Syslog setzt, der wünscht sich natürlich Syslog-Unterstützung auf Seiten des IAS.

 

All diese „Sonderwünsche“ unterstützt der IAS jedoch nicht oder nur unzureichend - schade! Also doch auf einen anderen RADIUS-Server wechseln, und damit Zusatzkosten (Lizenzen, Schulungen, Integration, Support zusätzlichen RADIUS-Server, …) in Kauf nehmen? Das muss nicht sein! Denn der IAS ist lernfähig …

Aber wie?

Für die Realisierung von zusätzlichen IAS-Features bietet Microsoft ein passendes API. Mit Hilfe dieses API lassen sich eigene Authentifizierungs- und Autorisierungsverfahren integrieren. Technisch realisiert wird dies, indem eine passende Erweiterung (sog. IAS Extension) in Form einer DLL dem IAS bereitgestellt wird. Erweiterungen können je nach Bedarf Authentifizierung, Autorisierung oder gar beides durchführen.

Am Beispiel der MAC-Authentifizierung lässt sich dies gut nachvollziehen. Der IAS reicht die Authentifizierungspakete stets zuerst an die IAS-Erweiterungen, damit diese die Möglichkeit haben, ihre eigenen Verfahren zu realisieren. In diesem Falle würde die IAS-Erweiterung also nachschauen, ob es sich überhaupt um eine MAC-Authentifizierung handelt. Trifft dies nicht zu, arbeitet die IAS-Erweiterung völlig transparent und reicht  das Datenpaket zur weiteren Verarbeitung zurück an den IAS. Anderenfalls schaut die Erweiterung nach, ob die MAC-Adresse gültig ist (beispielsweise anhand vom Datenbestand einer SQL-Datenbank) und signalisiert dem IAS, ob die Anfrage als erfolgreich oder ungültig betrachtet wird. Näheres dazu lässt sich auch im MAC Authentication Whitepaper nachlesen.

Auch in den Autorisierungsprozess lässt sich eingreifen. Zunächst nimmt der IAS nach erfolgreicher oder fehlgeschlagener Authentifizierung eine entsprechende Autorisierung vor (Accept / Reject). Bevor diese Entscheidung an RADIUS-Clients geschickt wird, passiert das Paket jedoch die IAS-Erweiterungen. Die Erweiterung kann somit Einfluss auf die Entscheidungen nehmen, indem Attribute (z.B. VLAN-Zuweisung, Hersteller-spezifische Attribute) hinzugefügt werden.

Fazit

Wie man sieht, ist der IAS eine solide und kostengünstige Grundlage für Authentifizierung und Autorisierung, vor allem im Bereich 802.1X. Aber es gibt durchaus Situationen, wo bestimmte Features sehr hilfreich wären. Doch mit Hilfe passender Erweiterungen nimmt der IAS auch diese Hürde. Es lassen sich maßgeschneiderte Lösungen entwickeln, die gezielt zusätzliche Authentifizierungs- und Autorisierungsmechanismen realisieren und damit deutlichen Mehrwert erreichen.

 

 

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